Antwort: Ausbildung und Beruf Logopäde

Sechs Fragen zum Beruf des Logopäden flatterten in mein Postfach. Abgeschickt von einer Noch-Schülerin – hier meine Antworten zu Voraussetzungen, Berufsalltag und Eigenarten.

  1. Welches sind die wichtigsten Eigenschaften und Charakterzüge, die ein Logopäde besitzen muss?
  2. Was gibt es für Voraussetzungen, um das Berufsfeld der Logopädie auszuüben?
  3. Gibt es Momente oder Situationen, bei denen Sie Ihre Karriere, als Logopäde bereuen oder in Frage stellen?
  4. Was machen Sie in Ihrem täglichen Berufsleben?
  5. Was ist das Spannendste an Ihrem Beruf?
  6. Ist es ein Problem oder kann es Schwierigkeiten geben, wenn man in dem Berufsfeld der Logopädie emotional ist?

Anwort

Eignung und Voraussetzungen

Es gibt ein paar medizinische Voraussetzungen, die man erfüllen muss. Eine belastbare und gute Stimme gehört dazu. Aber nicht nur die Stimme muss belastbar sein, auch die Psyche muss einiges aushalten können. Immer, wenn man mit Menschen arbeitet, ist ein stabiles Nervenkostüm wichtig.

Was meiner Meinung nach ungeheuer hilft, ist Lebenserfahrung. Gerade in der Kommunikation mit Patienten, die genau dort ihre Schwierigkeiten haben. Denn hier ist Kreativität gefragt um das Thema zu erraten und die Aussagen des Patienten innerhalb seines Kontextes richtig zu deuten.

Was aber das aller wichtigste ist? Nun, man muss das mit der Logopädie wollen. Als Therapeut arbeitet man im Gesundheitswesen. Die Patienten geben einem unglaublich viel zurück, aber die Arbeitsbedingungen sind, wie im Gesundheitssystem leider üblich, nicht rosig. Und dieser Belastung muss man standhalten können.

Die medizinischen Voraussetzungen und ein paar weitere Gedanken dazu findest du in den Fragen & Antworten drüben auf www.logo-ausbildung.de in dem Thema: Voraussetzungen für die Ausbildung zum Logopäden.

Der Beruf

Ich persönlich bin sehr spät zur Logopädie gekommen. Viele Dinge habe ich vorher ausprobiert: In der Gastronomie habe ich gearbeitet und am Fließband, habe Wirtschaftswissenschaften studiert und Sozialwissenschaften angefangen. Aber als ich 27 war meinte ein Arbeitsberater zu mir, ich solle doch Logopäde werden. Bis dahin hatte ich von dem Beruf nicht einmal gehört, aber dieser Rat hat – und das sage ich jetzt nicht nur so – mein Leben verändert.

Vom ersten Tag, an dem ich mich mit der Logopädie beschäftigt habe bis heute hat sich an meiner Faszination nichts geändert. Logopädie ist genau das, was ich machen möchte.

Natürlich ist es nicht immer einfach. Rahmenbedingungen, Arbeitsalltag, Patientenschicksale belasten mich, mal mehr, mal weniger. Aber das alles wird aufgefangen von dem Gefühl, Menschen zu helfen, einen Beruf zu haben, der etwas bewirkt und immer wieder spannende Dinge zu erleben. Nun, meinen Kontostand muss ich dabei halt ignorieren: reich wird man mit der Logopädie nicht.

Meine tägliche Arbeit besteht aus sehr vielen Dingen. Da ich das Glück habe, in einem großen Team in einer großen Klinik zu arbeiten, konnte ich mich früh auf ein Gebiet spezialisieren. Daher behandle ich täglich Patienten auf der Stroke Unit, untersuche Patienten auf eine mögliche Schluckstörung hin, kümmere mich darum, dass Patienten mit einer Trachealkanüle diese wieder loswerden und betreue dabei Studentinnen der klinischen Linguistik, bilde Therapeuten, Pflegende und Ärzte in Sachen Dysphagie aus und arbeite an meinen anderen Projekten. Ich weiß, dass dies kein typischer Arbeitsalltag ist, ich bin aber auch nicht der einzige, der sich auf diese Art in seinem Beruf selbst verwirklichen darf.

Emotionen

Ich habe es weiter oben schon angedeutet. Ein starkes Nervenkostüm zu besitzen hilft einem bei seiner täglichen Arbeit sehr. Man arbeitet als Logopäde mit Menschen, da sind Emotionen immer mit im Spiel. Und das fängt schon während der Ausbildung bzw. während des Studiums an. Therapeutische Kommunikation hat einen hohen Stellenwert und das will auch geübt werden. Und dann sind da Therapiemethoden, die deinen Patienten später helfen, die aber unglaublich peinlich sein können – das muss man auszuhalten lernen. Erfahrungen – Selbsterfahrung – in dieser Hinsicht macht man viele. Überhaupt erlebt man als Therapeut viele Situationen, die einem ans Herz oder auch an die Nieren gehen. Und selbst ich – der ich mich als sarkastisch, ironisch und emotional gefestigt beschreiben würde – habe hier und da Tränen in den Augen. Manchmal vor Freude und manchmal, weil ich einem Patienten tief empfundenes Mitgefühl entgegen bringe. Kein Mitleid – echtes Mitgefühl.

Logopädie

Die Logopädie ist ein noch recht junges Gebiet und ich bin froh, dass ich mitmachen darf. Müsste ich mich heute entscheiden würde ich einiges anders machen. Aber ich würde auf alle Fälle wieder Logopäde werden!

Geht euch das auch so?

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