Hörbar: Die Sache mit dem Gluten & Co.

Die Menschen sind verrückt!

Damals™ glaubte ich, Gespräche über Wehwehchen, Gebrechen und besondere Körperfunktionen wären eher ein Metier der mit unsagbar viel Zeit ausgestatteten Rentner und Kaffeekränzchen. Heute weiß ich, dass sich selbst junge Frauen, die nicht mal ein viertel Jahrhundert erlebt haben, schon über Wehwehchen austauschen: Lebensmittelunverträglichkeiten.

Jedenfalls gefühlte Lebensmittelunverträglichkeiten: Wer heute etwas auf sich hält, ist wenigstens gegen Lactose, Gluten und Histamin intollerant. Mindestens!

Dabei freut sich vor allem die Lebensmittelindustrie. Kann sie doch den vor Jahren noch verteufelten Analogkäse nun hübsch verpacken und lactosefrei drauf schreiben und die selbsternannten Gesundesser kaufen das Zeug – aus Überzeugung.

Persönlich glaube ich eher an einen Feind im Kopf. Wer als weitgehend gesunder Mensch ohne echte Gluten-Unverträglichkeit Brot ohne Gluten isst, kann auch gleich Pappe essen. Der Verzicht auf natürlichen Brotgeschmack mit dem Gefühl eines echten Bissens Brot im Mund ist völlig überflüssig. Gehört man nicht zu den 200.000 Menschen mit einer echten Zöliakie, passiert beim Verzehr von Gluten genau das: nichts.

Anderes Beispiel: Wenn ich bei Starbucks meinen Kaffee bestelle, muss ich mich sehr zurückhalten, nicht laut loszulachen, wenn vor mir jemand einen Kaffee mit Sojamilch bestellt. Aus Angst vor Transfetten? Die sind in gemeiner Kuhmilch gar nicht drin. Aus Angst vor Cholesterin? Dann besser mal nachlesen, dass Sojamilch das Serum-Cholesterin eher erhöht (JW. Anderson, BM. Johnstone, ME. Cook-Newell : Meta-analysis of the effects of soy protein intake on serum lipids. In: The New England journal of medicine (N. Engl. J. Med.). Waltham Mass 333.1995,5, 276–282. PMID 7596371, ISSN 0028-4793).

Ich kann auch Leute nicht ernst nehmen, die sich braunen Zucker oder Rohrzucker einwerfen, mit dem guten Gefühl, keine Raffinade verwandt zu haben. Wirkt beides gleich. Ist beides Zucker und beides in großen Mengen nicht gesund.

Aber nun ja.

Das Hörbuch „Der Feind in meinem Topf?“ ist jedenfalls klasse. Hört rein, denkt ein bisschen nach und ernährt euch danach abwechslungsreich. Mit Gluten, mit Lactose und mit Histamin – außer euer Arzt rät euch davon ab, weil ihr wirklich das Pech habt, diese Stoffe nicht zu vertragen.

1 Kommentar

  1. Theresa 9. Nov 2015 at 06:52

    Ja wenn man nicht von alldem betroffen ist, kann Essen wirklich lecker sein…
    Und das mit Pappe statt Brot, bei Glutenfreier Ernährung, kann ich nur bestätigen. Bin selbst betroffen von einer Zölliakie (spät erkannt) und wenn ich einen großen Wunsch in Sachen Essen mir erfüllen könnte, wäre es ein gutes Stück Brot ;).

    Ansonsten ist es wie mit allem so, eine ausgewogene und angemessene Ernährung schadet sicher nicht :-)

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