Nicht gut: Verletzung der Subclavia bei Trachealkanüle

An manchen Tagen erlebt man auch als Logopäde in der Neurologie Dinge, die man nicht unbedingt sehen möchte. Kürzlich kam es bei einem meiner Patienten zu einer massiven Blutung aus der Subclavia.

Dazu muss man wissen, dass besagter Patient nach einem Verkehrsunfall viele innere Verletzungen davon getragen hatte und zunächst chirurgisch versorgt werden musste. Durch die prolongierte Beatmung kam es zu einer Polyneuropathie (PNP), daher die weitere Versorgung bei uns in der Neurologie.

Mein erster Kontakt mit dem Patienten diente der Frage, ob eine Oralisierung kurzfristig realistisch ist. Also kam ich zum Patienten um ihn zu entblocken und dann bei Versorgung mit Sprechventil einen Schluckversuch durchzuführen. Soweit gelang beides sehr gut. Wenig Sekret musste ich absaugen und das auch nur aus der Trachealkanüle. Der Blauschluck ergab keine Hinweise auf Aspiration. Da der Patient – nennen wir ihn Klaus – noch motorisch unruhig war und nicht besonders gut orientiert zu sein schien, hatten wir eine FEES zunächst auf die nächsten Tage verschoben.

Einen Tag später sah das Bild eigentlich erst mal besser aus. Klaus war etwas wacher und konnte gut entblockt werden. Die Umlenkung der Exspiration durch den Rachen war nicht einfach für ihn, aber er konnte sprechen.

Dann machte es Rumps …

Aus welchem Grund das Folgende passierte, kann man bisher nicht wirklich nachvollziehen. Aber am wahrscheinlichsten ist, dass bei dem Umfall auch die Subclavia verletzt wurde, dies aber durch die liegende Trachealkanüle und deren Cuff keine Komplikationen ergab. Als wir in der Logopädie aber mit dem Entblocken starteten, nahmen wir den Druck weg und eine massive Blutung konnte entstehen, durch die motorische Unruhe von Klaus und sein ständiges hin- und herwerfen des Kopfes begünstigt.

Jedenfalls war Klaus wach und plötzlich wurde der Stimmklang brodelnd. Klaus begann Blut auszuspucken, dann auszuhusten und dann schoss es aus dem Stoma, der Trachealkanüle und aus Mund und Nase. Wahrlich kein schöner Anblick und besonders für Klaus auch sehr erschreckend.

Die erste Soforthilfe war, Klaus Stress zu ersparen. Um das zu erreichen wurde er erst einmal sediert und mit Propofol schlafen gelegt. Anschließend dann der direkte Weg in den OP. Nach sechs Stunden wurde Klaus auf die Intensivstation verlegt. Ein bisschen machen wir uns weiter Sorgen um ihn.

Die Prognose ist nicht gut. Aber ich drücke Klaus die Daumen.

1 Kommentar

  1. Fettnapftante 11. Sep 2015 at 17:20

    Auweia, das ist nicht schön. Alles guten Wünsche für Klaus, sowie gute Besserung und alles Liebe. Ich hoffe er kommt wieder auf die Beine. Ich glaube ich wäre ohnehin in Ohnmacht gefallen.

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