Dysphagie bei Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des extrapyramidal-motorischen Systems (EPS) oder der Basalganglien, die im Verlauf mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu einer Dysphagie führt. Das Expiratory Muscle Strengh Training (EMST) hat sich als sehr effektiv erwiesen, aber auch andere Inhalte der Therapie sind erfahrungsgemäß effektiv.

Morbus Parkinson

Sir William Richard Gowers Parkinson Disease sketch 1886.svgBei Morbus Parkinson sterben die dopaminproduzierenden Nervenzellen mit der Folge, dass keine ausreichenden Mengen Dopamin mehr produziert werden können. Dopamin ist ein Botenstoff, der in den Basalganglien die aktivierende Funktion unterstützt.

Die Basalganglien – so nimmt man bis heute an – sind für die Steuerung und Regelung motorischer, kognitiver und limbischer Aspekte zuständig: In einer Art Schleife werden solche Prozesse der Motorik aktiviert bzw. verstärkt, die aktuell wichtig sind und solche unterdrückt bzw. gedämpft, die aktuell nicht wichtig sind. Durch den Dopamin-Mangel fehlt die aktivierende Wirkung. Aktuell wichtige motorische, kognitive und limbische Prozesse werden nicht verstärkt.

Die Leitsymptomatik die sich daraus ergibt besteht aus Bradykinese bis hin zur Akinese, Rigor, Tremor und postdurale Instabilität. Die zur Zeit gültige Definition des Morbus Parkinson fordert, dass neben der Bradykinese als Kardinalsymptom mindestens ein weiteres Leitsymptom vorhanden sein muss.

Durch das Fehlen der aktivierenden Funktion der Basalganglien können sich daneben noch vegetative, kognitive, psychische und sensible Störungen zeigen.

Dysphagie bei IPS und aPS

Die funktionellen Einschränkungen für das Schlucken, die sich daraus ergeben sind vielfälltig. Neuere Forschungen sehen einen neuen Schwerpunkt der Dysphagie im Bereich des Ösophagus.

Bereit in sehr frühen Stadien der Erkrankung kann man mit einer hochaufgelösten Druckmesserung (HRM) Störungen des oberen und unteren Ösophagussphinkters ausmachen als auch tubuläre Störungen über den gesamten Ösophagus.

Beim idiopatischen Parkinson-Syndrom kommt es eher zu einer gestörten Öffnung des oberen und unteren Ösophagussphinkters und verringerter Beweglichkeit des Ösophagus selbst. Bei atypischen Parkinson-Syndromen ergaben sich Hinweise auf Spasmen des oberen Ösophagussphinkters und ein erhöhter Druck im Ösophagus.

Bisher ging man in der Behandlung der Dysphagie eher davon aus, dass es zu Störungen der oralen und pharyngealen Phasen kommt.

Optimierte Inhalte der Dysphagie-Therapie

Neben den bisher eingesetzten Therapiemethoden kommt der EMST eine hohe Bedeutung zu. Ihre Evidenz ist belegt und das Training für Parkinson-Patienten einfach auch zu Hause durchführbar.

EMST: Kräftigung der submentalen Muskulatur

Die Kräftigung der Atemmuskulatur, im Besonderen die Muskulatur unterhalb des Kinns mit Hilfe der EMST hat einen nachweislich positiven Effekt auf den Schluckakt, die Kraft der Ausatmung und die Effektivität des Hustens. Daraus ergeben sich für Patienten mit Morbus Parkinson positive Effekte auf die Reinigungsfunktion der Atemwege bei Penetration und Aspiration. Eindrucksvoll belegen kann man das mit Hilfe der Penetration-Aspiration-Skala (PAS nach Rosenbek).

Das EMST läuft wie folgt:

Ein Ventil mit einstellbarem Mindestdruck für die Öffnung wird genutzt um fünf mal am Tag gegen einen Widerstand kraftvoll auszuatmen. Im Verlauf von fünf Wochen wird der erforderliche Druck gesteigert.


Zusammenfassend sind folgende Inhalte in Bezug auf die Dysphagie für Patienten mit Morbus Parkinson nach aktueller Studienlage am sinnvollsten:

  • Diagnostik (FEES, VFS und HRM)
  • Mendelsohn-Manöver
  • Shaker-Training
  • Beweglichkeit fördern
  • frühzeitige Sicherung der Nährstoffversorgung
  • EMST
  • elektrische Pharynxstimulation

Fazit

Der Diagnostik kommt meiner Meinung nach eine besondere Bedeutung zu. Nur mit der FEES können tubuläre Störungen nicht erkannt werden. Die HRM sollte in den Werkzeugkoffer guter Diagnostiker übernommen werden.

Auch wenn die Studienlage ein etwas anderes Bild zeichnet, müssen wir Logopäden uns auch weiter auf unsere Erfahrung verlassen. Manche Therapieinhalte funktionieren auch bei Morbus Parkinson, ohne dass deren Evidenz belegt wäre. Das Ergebnis aus meiner Sicht ist, die eigene Therapieplanung mehr von ausführlicher Diagnostik abhängig zu machen und immer wieder zu fordern, dass die Forschung intensiviert wird.

Es braucht keine neuen Konzepte für die Therapie, es braucht Nachweise bestehender Therapie-Verfahren und verbesserte Diagnostik-Verfahren.

Quellen

  1. Langmore, Susan E, and Jessica M Pisegna. “Efficacy of Exercises to Rehabilitate Dysphagia: a Critique of the Literature.” International Journal of Speech-Language Pathology, March 31, 2015, 1–8. doi:10.3109/17549507.2015.1024171.
  2. Troche, M., Okun, M., Rosenbek, J., Musson, N., Fernandez, H., Rodriguez, R., et al. (2010). Aspiration and swallowing in Par- kinson disease and rehabilitation with EMST. Neurology, 75, 1912–1919.

Buchtipp

Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen

2 Kommentare

  1. Grobleben 28. Okt 2015 at 14:40

    Toller Artikel, hat mich für die nächste Patientin inspiriert. Vielen Dank!

    Antworten
  2. Catarina Stein 5. Sep 2017 at 21:19

    Guten Abend,
    ich bin begeistert vom EMST. Gibt es in Dt. Bezugsquellen oder adäquate Produkte ? Und auch die Möglichkeit, sich solch ein Grät verschreiben zu lassen? Ich bin Logopädin und würde sehr gern mit einem Parkinsopatienten so arbeiten.
    Viele Grüße
    Catarina Stein

    Antworten

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