Fortbildungen – Preisgestaltung?

Logopäden sind – per Gesetz – verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Grundsätzlich ist dies auch eine gute Idee, gerade weil der Berufsverband der Logopäden sich sehr für diese Fortbildungspflicht eingesetzt hat.

Es gibt einige Anbieter auf dem Markt. Vor allem in Sachen Quantität sticht der dbl heraus. Als Veranstalter bietet der Berufsverband eigene Fortbildungen namhafter Dozentinnen und Dozenten an. „Für Mitglieder zu besonders günstigen Konditionen“, schreibt man auf der eigenen Homepage.

Aber das Vergleichen von Preisen lohnt sich auch hier! Ein paar Beispiele.

1. Beispiel: Der dbl bietet ein Seminar „Gruppentherapie bei Aphasie/Dysarthrie“ von Vibeke Masoud im November 2011 in Hamburg an. Der Umfang beträgt 10 Unterrichtseinheiten bei einem Kostenfaktor von 245 € für Nicht-Mitglieder und immer noch 145 € für Mitglieder. Die gleiche Fortbildung bietet die Akademie des Klinikums Osnabrück für 94 € an. Die gleiche Dozentin, der gleiche Umfang aber nur ein Bruchteil der Kursgebühren.

2. Beispiel: Im Prolog-Fortbildungsprogramm findet sich eine Fortbildung zum Thema „therapeutisches Trachealkanülenmanagement und Dysphagie“ von Norbert Niers. 18 Unterrichtseinheiten an zwei Tagen für 240 €. Die gleiche Fortbildung bot der dbl an, gleicher Dozent, gleicher Inhalt, gleicher Umfang, nur die Kursgebühren waren unterschiedlich: 345 € für Nicht-Mitglieder und 245 € für Mitglieder.

3. Beispiel: Dozent Uwe Schürrmann zum Thema „AAP-basierte Stimmtherapie“ über 16 Unterrichtseinheiten. Kosten: beim dbl für Mitglieder 255 € (355 € für Nicht-Mitglieder) und bei der Akademie des Klinikums Osnabrück? 185 €!

Diese Liste ließe sich fortführen, aber an diesen Beispielen wird vielleicht deutlich, was die „besonderen Konditionen“ für Mitglieder wert sind: mehr zahlen für gleiche Leistung. Mich persönlich überrascht dieser Umstand nicht, er passt gut in das Bild, das ich vom dbl habe.

Offenlegung: Ich arbeite für die Akademie des Klinikums Osnabrück als Dozent.

3 Kommentare

  1. Ralph Fröhlich 31. Okt 2011 at 16:35

    Die Werbung ärgert mich schon seit langem. Der Verband sollte wirklich zum Auftrag haben kostengünstige Fortbildungen für seine zahlenden Mitglieder anzubieten. Aber man nutzt die Marktmacht um den wenig vergleichenden die Fortbildungen auch noch teuer zu verkaufe. Dieses Prinzip findet sich aber auch bei anderen Leistungen des Verbandes.

    a) Ich habe manchmal den Eindruck man etabliert einen Anspruch und ist dann schnell dabei damit auch noch profitabel Kasse zu machen.

    Beispiele: Fortbildungspunkte, Lehrlogopäde nach den Richtlienien des DBL, Qualitätssiegel für Schulen, Qualitätsmanagement für Praxen, Sprachreich Fortbildungen – wann gründet der DBL eine Fachhochschule?

    Ist der DBL ein Berufsverband, oder mittlerweile großes Profitunternehmen von dem einige recht gut leben?

    P.S.
    Wer günstige Fortbildungen sucht der kann bei der Düsseldorfer Akademie nachschauen. Wir bieten tatsächlich in der Regel den günstigsten Preis aller großen privaten Anbieter (vgl. Prolog, loguan, DBL, mentor) und wir zahlen unsere Fortbildungsanzeigen sogar selbst und können keine Verbandszeitschrift hierfür nutzen!

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  2. Alexander Fillbrandt 13. Nov 2011 at 11:48

    In diesem Zusammenhang weise ich gern darauf hin, dass ich unter http://logofobi.net ein neues Projekt gestartet habe, bei dem es darum geht, Fortbildungen für Logopäden und Co. anzubieten und zu finden.

    Viel Wert dabei habe ich auf die Suchfunktion gelegt… da lassen sich Fortbildungen in einer bestimmten Preisspanne suchen…

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  3. logos aktiv 17. Apr 2012 at 23:24

    Was den dbl.e.V. angeht bin ich eurer Meinung.

    Bezüglich der Seminarpreise muss man die Teilnehmer trotzdem auf folgendes aufmerksam machen:
    Als Teilnehmer sollte man auch immer genau recherchieren, was im Seminarpreis enthalten ist. Zentrumsnahe, mit Öffis gut zu erreichende, gemütliche Seminarräume und ein ansprechendes Catering bringen für den Veranstalter Kosten mit sich.
    Wer „jwd“ in einem Tagungshotel oder Vereinsheim seine Fortbildung besuchen möchte zahlt natürlich weniger.

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