Logopädie & „Juice Plus“ – eine schlechte Kombination

Juice Plus & warum Logopäden das nicht empfehlen sollten – ein Thema, das mich nicht loslässt. Im Januar habe ich ausführlich über diese Kapseln aus getrocknetem Obst und Gemüse berichtet. Und bereits damals war der Auslöser ein Gespräch mit einem Logopäden, der Juice Plus seinen Dysphagie-Patienten empfiehlt, mit dem Hinweis, sie wären sonst nicht ausreichend ernährt.

Juice Plus

Juice Plus, das zu Erinnerung, sind Kapseln, Pastillen oder Shakes, die angeblich aus dem Besten aus Obst und Gemüse bestehen. Getrocknetes Obst und Gemüse also. Geliefert wird im Abo – und mit den bis zu 200 EUR, die Pro Paket fällig werden, bezahlt man nicht nur das Produkt, sondern auch denjenigen, vom dem die Empfehlung kam und vermutlich sogar den, der den Empfehlenden in die Juice Plus-Gemeinde aufgenommen hat.

Juice Plus arbeitet im Vertrieb mit Multi-Level-Marketing. Kritiker sehen hier eine deutliche Nähe zum Schneeball-System.

Siegel? TÜV?

Was ich in den letzten Monaten immer wieder hören musste war, dass der Vertrieb schließlich ein TÜV-Siegel hätte. Dazu muss man wissen, dass der TÜV auch Siegel für ein vorhandenes Qualitätsmanagement vergibt. Dabei wird das System selbst gar nicht bewertet oder mit einem Siegel belohnt, sondern nur, ob man auch ordentlich Buch führt.

Die Studienlage ist weiter dünn. Es finden sich keine Studien, die Juice Plus als gefährlich beschreiben – was beruhigend ist.

Und die Stiftung Warentest? Ja, die hat sich Juice Plus auch mal angesehen und kommt zu dem Schluss, dass es besser, gesünder und günstiger ist, einfach ein bisschen mehr Obst zu Essen.

Dysphagie-Patienten?

An dieser Stelle könnte man anmerken, dass unsere künstlich ernährten Patienten ja nicht einfach mehr Obst essen könnten. Aber: Das müssen sie auch nicht. Klassische Sondennahrung ist besser als Juice Plus, enthält alle relevanten Nährstoffe. Jeder Patient bekommt die Sondenkostform, die seinen Bedürfnissen entspricht.

Und wenn man im Rahmen der Therapie mit dem Patienten bereits ein Schlucktraining durchführen kann, dann ist selbst gekochtes Fruchtmus oder Gelee – aus Obst der Saison oder gar aus dem Garten des Patienten – besser, leckerer, sinnvoller und hat einen therapeutisch-logopädischen Effekt. Beides ist bei Juice Plus nicht der Fall.

Mein Fazit

Je länger ich darüber nachdenke, desto bestärkter bin ich in meiner Überzeugung: Das beste was Sie machen können, wenn Ihnen ein Logopäde Juice Plus verkaufen oder empfehlen will: Wechseln Sie den Therapeuten!

Logopäden sollten das tun, was sie am besten können. Sie sollten ihren Patienten dabei helfen, Stück für Stück zur oralen Nahrungsaufnahme zurückkehren zu können. Sie sollten Ihnen nicht überflüssige Kapseln empfehlen mit dem Ziel, ein bisschen Geld nebenbei zu verdienen.

2 Kommentare

  1. kinderdok 18. Jul 2014 at 20:06

    Ja, Schrottzeug das…
    Zudem absolut übel, mit welcher Drückermanier die Juiceleute auch an Ärzte herantreten. Logopäden als auch.
    Leider gibts genug „Kollegen“, die das unterstützen.

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  2. Alexander Fillbrandt 14. Aug 2014 at 14:57

    Aktuell ergeht es mir ob meiner kritischen Stellungnahmen in Bezug auf Dysphagie-Patienten ähnlich. Man behalte sich vor, gegen mich wegen Verleumdung vorzugehen.

    Das war die bisherige Spitze vieler Versuche, mich per Telefon und E-Mail dazu zu bringen, meine Artikel am besten zu löschen.

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