5 Gründe, warum Tablet-PCs in der Logopädie scheitern werden

Schon lange Zeit setze ich selbst iPads und Tablet-PCs in der logopädischen Therapie ein. Auch suche ich immer neue Wege, Apps kreativ zu nutzen – für meine Patienten. Es gibt viele Apps und auch meine Therapiebücher schicken sich an, digitale Medien in der Logopädie zu etablieren.

Man kann deren Einsatz aber auch kritisch sehen, vor allem in Hinblick auf die Voraussetzungen für ihren Einsatz. Darum hier die fünf stärksten Gründe, warum Tablet-PCs in der Logopädie scheitern werden:

1. Das falsche Gerät

Viele Punkte müssen bedacht werden, wenn man sich entscheidet, ein iPad oder Tabel-PC in der Praxis oder Klinik einzusetzen. Die beiden wichtigsten Kriterien sind sicherlich zum einen die Anzahl der verfügbaren Apps und die gewählte Größe des Speichers.

Viele Apps benötigen viel Speicherplatz 2

Praxen und Kliniken, die sich für ein Surface von Microsoft oder ein Tablet mit Andoid entschieden haben, werden sich früher oder später ärgern, dass eine tolle App für die Therapie nicht für ihr Gerät verfügbar ist.

Mehr über die Auswahl des richtigen Therapiepads gibt es auf TherapiePAD.de

2. Die falschen Apps

Wenn man erst einmal viel Geld für ein Gerät ausgegeben hat, sollte man nicht daran sparen, auch die richtigen Apps zu kaufen. Es gibt viele tolle Programme für die Therapie. Sicherlich gibt es auch viele kostenlose Apps, aber im Rahmen der Therapie sollte man auf werbefinanzierte Apps verzichten.

Wichtiger ist der nächste Punkt:

3. Apps falsch eingesetzt

Auch wenn es viele tolle Apps für Logopäden gibt, deren Einsatz muss wohl überlegt sein. Einem Patienten ein iPad mit der tollen App vorzulegen und dann zu erwarten, dass alles läuft, das ist kein guter Plan. Logopädische Therapie kann nicht durch Maschinen ersetzt werden. Logopädische Therapie lebt von der Interaktion zwischen Patient und Therapeut.

Besser ist es, Apps für ganz gezielte Aufgaben einzusetzen: einzelne Übungen, zur Dokumentation, als Aufzeichnungsgerät, als Belohnungsspiel, für Hausaufgaben. Oder einfach als Ersatz für Stift und Papier.

Welche Möglichkeiten als Therapiematerial oder als Organisationshilfe es gibt, listet TherapiePAD.de sehr gut auf.

Bei madoo.net gibt es Beispiel für den Einsatz und die Therapiebücher als Materialsammlung sind ebenfalls eine Empfehlung wert.

4. Kein Zugang zum Internet

Internetzugang – so denken viele – beschränkt sich auf das Aufrufen von Webseiten. Aber das Internet ist mehr. Und es gibt Apps, die benötigen einen Internetzugang um wichtige Daten zu laden, um Auswertungen auf einem Server berechnen zu lassen oder um bestimmte Funktionen erst möglich zu machen.

Auch das Aktualisieren der Apps und des Systems geht nicht ohne Zugang zum Internet. Dabei ist leider in logopädischen Praxen oder Kliniken kein WLAN vorhanden, oder es darf nicht genutzt werden. Für solche Einrichtungen und für Kollegen, die viel auf Hausbesuchen unterwegs sind, sollte man auf ein Gerät mit WLAN und Mobilfunk-Anbindung achten.

5. Keine Schulung und kein Support

iPads und Tablet-PCs haben ihren Siegeszug in unsere Wohnzimmer mit Funktionen wie E-Mail, Surfen im Internet und dem Lesen von Büchern begonnen. Das sind Funktionen, die eigentlich jeder schnell lernt. Besondere Einarbeitung ist hier nicht nötig.

Aber er Einsatz als Therapiematerial muss sehr wohl gelernt werden. AudioLog konnte man auch nicht einfach kaufen, installieren und dann einsetzen. Auch damals™ war es schon erforderlich, sich in Programme einzuarbeiten, sie zu testen und ihren Einsatz zu üben.

Das ist heute nicht anders. Auch wenn sich ein iPad intuitiv bedienen lässt – eine spezielle App für die Therapie muss man beherrschen. Leider vergessen das einige bei der Überlegung, iPads in der Therapie einzusetzen.

Noch wichtiger ist das in Teams in Kliniken. Dort müssen alle Mitarbeiter in die Nutzung der Geräte und in die Nutzung der Apps eingewiesen werden. Ebenfalls muss ein Support bereit stehen, der ein abgestütztes Gerät wieder zum Leben erweckt und sich um die Aktualisierung der Programme kümmert.

Epilog

Was war dir wichtig bei der Anschaffung digitaler Medien für deine logopädische Praxis? Wofür hast du dich entschieden und bist du zufrieden? Schreibe einen Kommentar!

2 Kommentare

  1. Marlies Zwanzger 13. Mrz 2015 at 12:07

    Lieber Herr Fillbrandt!
    Darf ich Ihre kritischen Punkte hinsichtlich iPad-Einsatz in der Therapie in meinen Vorlesungen an der FH Kärnten und FH Joanneum (Graz) mit meinen StudentInnen diskutieren?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Marlies Zwanzger

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