Geschichten meines Lebens: der Typ hinterm Tresen

Schon während meiner Schulzeit habe ich angefangen, in der Gastronomie zu arbeiten. Auch meine letzte Geschichte aus meinem Leben spielte in der Gastronomie, auch wenn sie dabei nur der Aufhänger war. In dieser Geschichte geht es auch wieder um den Verkauf von Speisen und Getränken. Eigentlich geht es um Bier.

Davon gab es in der ersten Kneipe, in der ich als Aushilfe arbeiten durfte, reichlich. Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir 16 Sorten Bier vom Fass. Darunter so köstliche Sorten wie Grenzquell, Kölsch – direkt an der Nordsee!, Tuborg und viele weitere. Dass Jever und Warsteiner darunter waren, wird niemanden überraschen.


Geschichten-meines-Lebens-Kneipe

Ich arbeitete also in dieser Kneipe. Es gab zwei verschiedene Arten von Schichten. In der einen brannte die Hütte. 15 Tische draußen und eine sehr lange Theke drinnen wurden von vier Kellnern bedient, zwei zusätzliche Kollegen bereiteten die Getränke zu – ließen die Zapfhähne quasi offen. Außerdem gab es Schichten, da konnte man das Aufgebot an Gästen problemlos allein bewältigen, waren vereinzelte Gäste am Tresen mit Stammtischgesprächen beschäftigt und verkrümelten sich Pärchen an einen der hinteren Tische.

Als ich neu war, erst frisch als Aushilfe in der Gastronomie angefangen, war mein Einsatz die erstgenannte Schicht. Ich lernte schnell, weil die Gäste ihre Getränke schnell haben wollten und ich lernte viel, weil unsere Gäste immer sehr viel tranken. Vor allem aber lernte ich viel über Menschen und den ökonomischen Einsatz meiner Arbeitskraft.

Nach vielen Monaten Arbeit, nach unzähligen zufriedenen Gästen durfte ich mich in der zweiten möglichen Schicht beweisen. Der Gastwirt und Betreiber der Kneipe vertraute mir den Schlüssel und die Verantwortung an, auch allein den Betrieb zu schmeißen. Was mir bis dahin nicht klar war: ist man allein, macht man auch allein sauber, zur Sperrstunde. In der besagten Kneipe mit 16 Biersorten, also auch mit 16 Zapfhähnen in hübschen Messing hieß das: Pollieren.

Gelernt habe ich, dass mehr Verantwortung und damit auch mehr Macht, auch mehr machen bedeutet. Die zusätzlichen Aufgaben wie Abrechnung, Bestellung für den nächsten Tag, Auffüllen der Kühlschränke und das Vorbereiten der nächsten Schicht mal außen vor.

Was aber viel wichtiger war – für mich, war der Umstand, dass ich sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Horizonten, unterschiedlicher Bildung, unterschiedlicher Meinung, verschiedenen Ansichten, mal mit viel mal mit wenig Lebenserfahrung, mit anderen Wertvorstellungen, unterschiedlichen Zielen und aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen kennenlernen durfte. Die einen intensiver, die anderen (teils zum Glück!) auch weniger. Durch diesen Umstand habe ich eine Fähigkeit entwickeln müssen, ihnen auf die selbe Art zu begegnen und trotzdem individuell auf sie einzugehen. Für diese Fähigkeit bin ich heute ausgesprochen dankbar.

Es klingt wie ein Klischee: der Bartender oder Typ hintem Tresen kann mit allen Gästen, egal welcher Couleur, umgehen und ist für alle ein Freund. Das kann der Typ hinterm Tresen aber nur, wenn er sich selbst nicht zu ernst nimmt und wenn er Einfühlungsvermögen besitzt. So wie es die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen auch haben und brauchen.

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