Rollstuhlwettrennen ist gut für Dysphagie-Patienten

Kennt ihr das? Da hat man einen Patienten und so viele Ideen, wie man ihn wieder an die orale Nahrungsaufnahme bringt oder ihm das Sprechen erleichtert, und dann ist die Motivation deines Patienten im Keller. Er lehnt Therapien ab und ist auch sonst eher geknickt und passiv.

Da hilft manchmal ein Bespaßungsprogramm.

Bei einem jungen Patienten mit einer massiven Hirnschädigung nach einer prolongierten Reanimation war das heute notwendig. Also haben wir ein Rollstuhlrennen organisiert. Draußen, weil man uns in den Gängen der Klinik keinen Platz machen konnte. Unser Patient im Rollstuhl mit lebendem Antrieb in Form einer lieben physiotherapeutischen Kollegin gegen mich im Rollstuhl, der mir viel zu klein war.

Sicher, man fragt sich als Therapeut dann schon, ob das jetzt das Richtige ist. Ob da nicht ein anderer Patient Vorrang habe, von mir wegen seiner Dysphagie behandelt zu werden. Und eigentlich habe ich auch ein schlechtes Gefühl, nach einem Rollstuhlrennen eine logopädische Therapie zu dokumentieren. Aber gehört es nicht auch zu unseren Aufgaben, Patienten an die Therapie heranzuführen, sie zu motivieren und sie auch einfach mal Mensch sein zu lassen? Wo ist das leichter möglich als in einer Rehabilitationsklinik.

Tatsächlich hat mein Patient das Rennen gegen mich gewonnen. Okay, Schuld an meiner Niederlage war sicher die Kollegin aus der Physiotherapie, die einfach schneller Laufen und Schieben konnte. Aber unser Patient hat lange nicht mehr gesprochen, als wir an der Startlinie standen, kam aber ein klares und wirklich lautes „…fertig, los!“ von ihm. Und Husten dann am Ziel. Viel Husten in Kombination mit Massen an Sekret.

Und auch das war gut. Sogar ausgesprochen gut. So viel Sekret hatte er lange nicht mehr abhusten können und die leicht holprige Rennstrecke wird in Kombination mit der frischen und irgendwie auch feuchten Luft viel davon mobilisiert haben. Zum Glück hatten wir ausreichend Zellstofftücher dabei.

Kurzum: So ein Rollstuhlrennen ist definitiv gut für den einen oder anderen Dysphagie-Patienten. Punkt.

1 Kommentar

  1. Christiane Goldbach 19. Aug 2016 at 22:43

    Ich könnt mich wegschmeißen vor Lachen… genau so ist es richtig!! Gratuliere deinem Patienten zum Sieg.
    Und die Bilder find ich übrigens .
    klasse , besonders das mit der Hypersalvation
    :-) nochmal Grüße von Christiane

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