Die Macht der Worte: Wasser

Es mag an meinem Beruf liegen, aber Worte finde ich faszinierend. Aber auch als ich noch gar nicht wusste, dass Logopäden so viel mit Sprache und Wörtern zu tun haben, mochte ich Ingeborg Bachmann. Ihre Gedichte sind großartig, wortstark und handeln von Wörtern und Worten. Darum widmet ich ihr diese Rubrik: Die Macht der Worte.

Es gibt Situationen, die sind irgendwie surreal. Neulich in der Parfümerie meines Vertrauens war so eine Situation.

Wenn ich eine Parfümerie betrete, dann erwarte ich dezent überschminkte Damen, die mir Düfte auf ein Papier sprühen und einen Spruch dazu aufsagen. Nicht erwarten würde ich Damen, die mir einen Duft erst aufs Papier sprühen, mir aber nicht erlauben daran zu riechen. Ich sollte erst abwarten, bis sie mir ein bisschen was über den Duft erzählt hatte.

Mitten in ihrer Erzählung wagte ich es, eine Nase zu riskieren.

Und fand mich in einer anderen Welt wieder. In ihrer Erzählung. Alles stimmte, jedes Wort. Dabei war es gar nicht das Wie. Tatsächlich glich ihre Geschichte mit all den Gesten eher einem waldörflichen Namenstanz. Es war auch gar nicht nur das Was. Es war etwas Drittes, etwas, das mit den Worten zu tun haben musste.

Es war keine Werbung, ich konnte spüren, dass sie das, was sie über den Duft erzählte auch meinte, dass sie davon überzeugt war. Es waren die richtigen Worte, nicht aufdringlich, nicht aufgesetzt, nicht auffordernd. Es war unbeschreiblich.

Den Duft habe ich gekauft – aber nicht, weil das was die Dame sagte mich überzeugt hätte, sondern weil ich es nachfühlen konnte. Und ich mag es, wenn materielle Dinge einen immateriellen Wert haben. Dieser Duft hat ihn, dank der Worte eine Dame in der Parfümerie meines Vertrauens.

Warum ich „Wasser“ im Titel schreibe? Nun, das ist dem Duft geschuldet: l’eau d’issey

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