Eine Sache: gesponserte „Fortbildungen“

Wenn man in einer Klinik arbeitet, so wie ich, dann hat man viele Kolleginnen und Kollegen. Und man erlebt so einiges. Bestimmte Erlebnisse will ich besonders hervorheben und berichte darüber als die „eine Sache“. Den Anfang macht die Sache „gesponserte Fortbildungen“.

Die Tagung auf der ich vor gut einem Monat war wurde von Nutricia mitveranstaltet. Es gab einen Informationsstand der Firma, an dem interessierte Teilnehmer Produkte aus dem Hause Nutricia kosten konnten und Broschüren auslagen. Außerdem war eine Vertreterin für einen Vortrag zu Ernährung bei Dysphagie geladen. Als diplomierte Ökotrophologin konzentrierte sie sich tatsächlich auf die Inhalte und weniger auf die Produkte, das Branding ihrer Präsentationsfolien war erträglich.

In einem Vortrag über den Umgang mit Schluckpatienten einer anderen Dozentin ging es unter anderem auch um Andickungsmittel. Diese sind aus der therapeutischen und pflegerischen Arbeit nicht wegzudenken und eine wirkliche Hilfe für Patienten mit Dysphagie. Und es gibt unterschiedliche Hersteller und tatsächlich Innovationen, die ein Produkt hervorheben. Die Nase vorn – zu Recht – hat bei diesem Rennen „Thickenup Clear„. Es ist neu, macht die Getränke nicht trüb und verarbeitet sich besser. Aber es ist eben nicht von Nutricia sondern konkurriert mit deren „Nutilis Powder“. Und da sich die Therapeutenwelt einig ist, dass Thickenup Clear eine bessere Wahl darstellt, fand eben dieses Produkt seinen Weg in den Vortrag.

Das sorgte hörbar für unterdrückten Unmut bei der Vertreterin der Firma Nutricia.

Nun ergab es sich, dass ein paar Kolleginnen aus der Pflege zu einer Fortbildung zum Thema „Ernährung“ eingeladen wurden, veranstaltet von genannter Firma. Da mich das Thema Ernährung ebenfalls interessiert und es auf dieser Fortbildung auch um Schluckstörungen ging, wollte ich natürlich wissen, wie es war.

Schockiert hat mich die Antwort!

Nicht die Inhalte haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern die Tatsache, dass die Zugfahrt bezahlt wurde und es tolles Essen als Verpflegung gab.

Klingt für mich, als sei die Werbestrategie aufgegangen.

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