Risikoabsicherung bei Dysphagie-Therapie

Eine Frage zu Risiken bei der Dysphagie-Therapie aus therapeutischer Sicht. Die Themen sind Absicherung und mögliche Absprachen.

Ich habe einige Fragen zur Therapie mit Dysphagie-Patienten:

  1. Wie sichert man sich bei der Behandlung von Dysphagie-Patienten vertraglich ab? Kann ja viel erklären und wird aber nicht eingehalten.
  2. Wendest du Aufklärungsbögen für Patienten, wo Risikofaktoren aufgezeigt sind an? (z.B. Vermeidung Milchprodukte etc.)
  3. Wie sichert man sich optimal gegen alle Risiken ab?

Antwort

Absicherung

Das ist ein kompliziertes Feld. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass du dich absichern möchtest. Aber wogegen?

Wenn du einen Behandlungsfehler machst, dann greift aller Wahrscheinlichkeit nach deine Berufshaftpflichtversicherung. Wenn deine Patienten etwas machen, was sie nicht sollen, dann sind sie selber Schuld. Eigentlich ist es genau so einfach.

Wenn ich mal einen Patienten habe, bei dem alle Beratung über die Gefahren nicht zu fruchten scheint, dann habe ich für mich ein sehr einfaches Verfahren: Halten sich Patient und Angehörige nicht an meine Vorgaben was Essen oder Trinken angeht, dann beende ich an dem Tag die Therapie an dem ich das erfahre. Ich sage freundlich, dass ich mich Patienten, die mit ihrem Leben spielen, gegenüber nicht verantwortlich fühlen möchte. Aber die Therapie ist für mich beendet.

So ein Fall, bei dem sich die Angehörigen nicht an meine Vorgabe gehalten haben, ist bei mir bisher zwei Mal vorgekommen. Beim ersten Patienten kam am Tag nach meinem Therapieabbruch ein Anruf, man würde sich bessern und ich möchte doch bitte weiter machen. Danach war alles gut, kein eigenmächtiges Handeln der Angehörigen mehr – es hat also gewirkt.

Von dem anderen Patienten habe ich nie wieder etwas gehört.

Aufklärungsbogen

Einen Aufklärungsbogen für Dysphagie-Patienten habe ich nicht. Ich finde auch, dass man das nicht wirklich braucht. Zu meinen Patienten bin ich immer offen und ehrlich, erkläre bei der Therapie viel – wenn nötig auch immer wieder – mein Ziel dabei ist, dass meine Patienten und deren Angehörige wissen und verstehen, warum ich etwas tue und zum Beispiel warum manche Konsistenzen nicht möglich sind. Dadurch stehe ich immer im Dialog mit Patient und Angehörigen und bekomme früh genug mit, wenn es Missverständnisse gibt oder es zu problematischen Situationen kommen könnte.

Die mir bekannten Aufklärungsbögen und Ratgeber sind teilweise zwar gut und verständlich geschrieben – ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass bei vielen Patienten eine individuellere Auswahl an Speisen, eine konkretere Auswahl an Übungen wichtig sind. Und dafür ist ein Dialog einfach besser geeignet. Wenn es nötig ist, dann schreibe ich aus den Erfahrungen und Absprachen eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Liste mit „Gos“ und „No-Gos“.

Risiken

Ich vertraue meinem Können: Wenn ich bei einer Sache kein gutes Gefühl habe, dann mache ich sie nicht. Darum muss ich mich nicht weiter absichern. Wenn ich mit meinen Patienten, die eine schwere Dysphagie haben, etwas esse, dann weil ich weiß, dass es möglich ist und keine Gefahr darstellt. Ich arbeite nicht nach try and error. Da braucht man kein Netz und keinen doppelten Boden.

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