Dysphagie-Therapie bei onkologischem Patienten

Mich hat eine Frage erreicht zu meinem Spezialgebiet Dysphagie. Ich wurde gebeten, ein paar Tipps zu geben, zu einem onkologischen Patienten mit einer Dysphagie.

Hallo Alex,
Ich habe einen Patienten zu dem ich mir von dir ein paar Tipps und Anregungen für die Therapie wünsche.

Der Patient:

  • männlich, 50 Jahre,
  • Z.n. Tumor-OP (Lymphknoten) im linken Halsbereich mit anschließender Chemotherapiie und Bestrahlung
  • Patient gibt an, dass Speisen größer als 1 cm „im Hals (kurz oberhalb des Kehlkopfes) stecken bleiben“
  • geringe Kieferweite,
  • Larynxelevation nach rechts verschoben.

Bisher habe ich folgende Inhalte in der Therapie abgedeckt:

  • Lockerung des Mundbodens, der Halsmuskulatur und der Gesichtsmuskulatur durch Ausstreichen und Novafon,
  • Pleuelübung und Kauübungen in Anlehnung an Fröschels bzw. Akzentmethode um die Zunge nach vorne zu verlagern und eine größere Kieferöffnung zu erreichen.

In der Therapie kann der Patient für ca. fünf Schluckvorgänge Nahrungsbrocken mit ca. 2 cm Durchmesser essen, danach und zu Hause ist alles beim Alten.

Antwort:

Ich finde es immer wichtig, die Ursache für die Schwierigkeiten meiner Patienten genau zu analysieren. Wenn ich weiß was genau das Problem ist, kann ich gezielter intervenieren und so die Effektivität der Therapie steigern. Darum ein paar Ideen, die ich bei der Vorstellung deines Patienten habe:

Eine Bestrahlung zerstört oft die Schleimhäute. Dadurch wir die Speichelproduktion oft deutlich reduziert. Und da du selbst schreibst, dass der Patient Flüssigkeiten besser als feste Kost verarbeiten kann, würde ich alles machen, was den Speichelfluss anregt. Im Gegensatz zur neurogenen Dysphagien, besteht bei Patienten mit Z.n. Strahlentherapie meistens keine größere Aspirationsgefahr. Die Schutzreflexe sind bei onkologischen Patienten nur selten eingeschränkt. Um die Speichelproduktion zu steigern bzw. die Feuchtigkeit in Mund und Rachen zu erhöhen gibt es mehrere Möglichkeiten. Akut und schnell hilft künstlicher Speichel (gibt es in der Apotheke) oder ganz einfach ein großes Glas Wasser zu den Mahlzeiten. Stimulationstechniken sind hier ebenso hilfreich wie das Lutschen von Bonbons. Dabei sollte auf austrocknende Stoffe wie Kamille und Salbei verzichtet werden.

Außerdem deutet das Gefühl von postdeglutitiven Residuen darauf hin, dass der pharyngeale Druck nicht ausreichend erzeugt werden kann. Mit einer Bildgebung oder dem Messen des pharyngealen Drucks könnte man das objektivieren. Um im Rahmen der Therapie die Kontraktion des Pharynx zu unterstützen sind durchaus Artikulationsübungen effektiv. Die Laute [k], [kn] und [kr] sind dafür gut geeignet, in Silbenketten, Wortlisten und Texten. Außerdem Masako-Manöver und Shaker-Manöver. Für beide konnte in Studien ein positiver Effekt auf die Muskelkraft im Pharynx nachgewiesen werden. Das Masako-Manöver für die obere Pharynx-Hinterwand und das Shaker-Manöver für die Strukturen unterhalb des Zungenbeins.

Als „Hausaufgabe“ sollte dein Patient mit Kausäckchen arbeiten um die Speichelproduktion anzuregen und die motorischen Übungen durchführen.

Ich hoffe dies gibt dir ein paar neue Impulse für deine Therapie. Viel Erfolg!

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